Oct 24, 2026 · @Marcel
TL;DR: Google, ChatGPT und Co. lesen deine Website, fassen sie zusammen und schicken immer weniger Leute vorbei. In den USA enden schon rund zwei Drittel der Google-Suchen ohne Klick. Deine Website wird damit vom Ziel zur Zutat: Sie liefert das Material, aus dem andere ihre Antworten bauen. Wer weiter nur Sessions zählt, misst an der Realität vorbei.
Was passiert gerade mit dem Klick?
Wer regelmässig in die Search Console schaut, kennt das Muster: Die Impressionen steigen, die Klicks bleiben stehen oder sinken. Die Seite rankt, wird angezeigt, wird vielleicht sogar in einer KI-Antwort zitiert. Und trotzdem kommt niemand vorbei.
Das ist kein Fehler im Tracking. Das ist das neue Normal. Suchmaschinen und Chatbots holen sich deine Inhalte, bauen daraus eine Antwort und liefern sie direkt aus. Deine Website ist dabei nicht mehr das Ziel der Reise. Sie ist die Zutat.
[Platz für ein eigenes Beispiel aus einem Projekt: Impressionen vs. Klicks über 12 Monate, anonymisiert.\]
Warum klicken Nutzer immer weniger?
Weil sie die Antwort schon haben. In den USA endeten Anfang 2026 rund 68 Prozent aller Google-Suchen ohne Klick auf ein Ergebnis, 2024 waren es noch gut 60 Prozent (Search Engine Land). Deutschland liegt mit 62,1 Prozent etwas tiefer, ist aber auf demselben Weg (Ahrefs).
Die KI-Antworten von Google verschärfen das. AI Overviews erscheinen inzwischen bei über 20 Prozent der Suchen. In einem Feldexperiment mit rund 1'000 Personen sanken die organischen Klicks um 38 Prozent, sobald eine KI-Übersicht angezeigt wurde (TechWyse). Laut Ahrefs verliert das erstplatzierte Ergebnis in solchen Fällen sogar 58 Prozent seiner Klicks.
Und das ist erst der Anfang. Googles AI Mode, der die Ergebnisliste ganz durch einen Chat ersetzt, hat laut Google über eine Milliarde Nutzer pro Monat. Semrush misst dort Sitzungen, die zu 92 bis 94 Prozent ohne Klick auf eine externe Seite enden.
Eine Einschränkung gehört dazu: Nicht alle Suchen sind gleich betroffen. Bei Markensuchen und Logins klicken die Leute weiterhin, weil sie genau dorthin wollen. Ahrefs misst bei navigationalen Suchen in Deutschland nur 15,9 Prozent ohne Klick, bei Informationssuchen 40,4 Prozent. Am härtesten trifft es also genau den Content, mit dem viele Unternehmen jahrelang SEO gemacht haben: Ratgeber, Definitionen, «Was ist…»-Artikel.
Was wird aus der Website, wenn keiner mehr klickt?
Sie bekommt drei neue Jobs. Keiner davon ist «Traffic sammeln».
1. Quelle für Maschinen. Die Website liefert die Fakten, aus denen KI-Systeme ihre Antworten bauen: Preise, Leistungen, Öffnungszeiten, Standorte, klare Aussagen. Was dort unklar, veraltet oder in einem PDF versteckt ist, landet falsch oder gar nicht in der Antwort.
2. Beweis für Menschen. Wer einer KI-Empfehlung folgt, prüft danach oft noch kurz: Gibt es die Firma wirklich? Wer steckt dahinter? Stimmen die Referenzen? Dieser Besuch ist seltener, aber wertvoller als zehn Ratgeber-Klicks von früher.
3. Ziel für die Marke. Markensuchen bringen weiterhin Klicks. Und wer in KI-Antworten genannt wird, profitiert offenbar auch anderswo: Laut Daten von Seer Interactive lag die Klickrate auf Anzeigen bei Marken, die in AI Overviews zitiert wurden, bei 15,7 Prozent statt 11,2 Prozent (TechWyse).
Das klingt nach Abstieg, ist aber eher eine Bereinigung. Die Website verliert die Klicks, die nie etwas wert waren: Leute, die eine Definition suchten und sofort wieder gingen. Sie behält die Besuche von Leuten, die sich bereits für dich interessieren.
Welche KPIs zählen statt Sessions?
Sessions bleiben eine Zahl, aber nicht mehr die wichtigste. Diese Kennzahlen ergänzen sie:
| Alte KPI | Problem heute | Neue KPI | Wo messen |
|---|---|---|---|
| Organische Sessions | sinken, obwohl die Sichtbarkeit steigt | Impressionen und Klickrate nach Suchintent | Google Search Console |
| Rankings für Ratgeber-Keywords | Platz 1 verliert bei KI-Übersicht bis zu 58 % der Klicks | Erwähnungen und Zitate in KI-Antworten | Ahrefs Brand Radar, vergleichbare GEO-Tools oder manuelle Stichproben in ChatGPT, Perplexity und Gemini |
| Seitenaufrufe pro Artikel | Ratgeber-Traffic bricht weg | Markensuchen (Volumen des eigenen Namens) | Search Console, Google Trends |
| Absprungrate | sagt wenig, wenn Besucher gezielt kommen | Anfragen, Buchungen, Anrufe | GA4 oder Matomo mit sauberem Conversion-Tracking |
| Traffic aus Google | ein Kanal unter mehreren | Verweise aus KI-Tools (chatgpt.com, perplexity.ai) | GA4 oder Matomo, Referrer-Bericht |
Die wichtigste Frage im Reporting ist nicht mehr «Wie viele kamen?», sondern «Wer hat uns empfohlen, und haben die richtigen Leute angefragt?»
FAQ
Was ist eine Zero-Click-Suche? Eine Suche, nach der niemand auf ein Ergebnis klickt, meist weil die Antwort schon auf der Ergebnisseite steht. In den USA betraf das Anfang 2026 rund 68 Prozent der Google-Suchen, in Deutschland rund 62 Prozent.
Lohnt sich SEO überhaupt noch? Ja, aber mit anderem Ziel. Eine gut indexierte, klar strukturierte Website ist die Voraussetzung dafür, in KI-Antworten genannt zu werden. Markensuchen und lokale Suchen bringen weiterhin Klicks.
Welche Inhalte verlieren am meisten Klicks? Informations- und Ratgeber-Inhalte wie Definitionen oder einfache Erklärungen. Bei Markensuchen und Logins ist der Effekt deutlich kleiner.
Wie messe ich, ob meine Marke in KI-Antworten vorkommt? Mit spezialisierten Tools wie Ahrefs Brand Radar oder mit regelmässigen Stichproben: Die wichtigsten Kundenfragen in ChatGPT, Perplexity und Gemini stellen und festhalten, wer genannt wird.
Soll ich KI-Crawler aussperren? Nur wenn deine Inhalte selbst das Produkt sind, zum Beispiel bei Verlagen. Für die meisten Unternehmen ist es besser, gefunden und zitiert zu werden, als unsichtbar zu sein.