KI & Praxis · Analyse

KI-Content ist wertlos. Auch meiner.

Ist KI-generierter Content noch etwas wert?

TL;DR: Wenn eine Maschine in zehn Sekunden einen ordentlichen Text schreibt, ist ein ordentlicher Text nichts mehr wert. Das gilt für alle, auch für mich. Etwa die Hälfte der neuen Artikel im Netz stammt inzwischen von KI, doch gelesen und gefunden wird vor allem, was nur ein Mensch liefern kann: eigene Erfahrung, eigene Daten, eine klare Haltung und einen Namen, der dafür geradesteht. KI bleibt ein starkes Werkzeug. Das Produkt ist sie nicht.

Warum schreibe ich das, wenn ich selbst mit KI arbeite?

Gerade deshalb. Ich arbeite jeden Tag mit KI. Ich baue Prototypen wie Mission Control, betreibe mit der KI-Werkstatt einen Katalog von KI-Tools, und auch dieser Beitrag ist mit KI-Unterstützung entstanden.

Ich weiss also ziemlich genau, wie schnell ein brauchbarer Text entsteht. Ein paar Sätze Input, zehn Sekunden Warten, fertig ist ein Artikel, der sauber gegliedert ist, keine Tippfehler hat und nichts riskiert. Genau das ist das Problem. Was jeder in zehn Sekunden haben kann, hat keinen Wert mehr, ausser für den, der es gerade braucht.

Deshalb die These: Ein Text, den auch eine Maschine hätte schreiben können, ist wertlos. Auch meiner.

Warum verliert Text seinen Wert?

Weil das Angebot explodiert ist und die Nachfrage nicht. Laut einer Analyse der SEO-Firma Graphite von 65'000 englischen Artikeln ist seit Ende 2024 etwa die Hälfte aller neu veröffentlichten Artikel KI-generiert (Stacker/Graphite). Gleichzeitig stammten rund 86 Prozent der Artikel auf den vorderen Google-Plätzen weiterhin von Menschen (all-ai.de). Produziert wird massenhaft, gefunden wird wenig davon.

Dazu kommt das Misstrauen der Leser. In einer YouGov-Befragung für Meltwater mit fast 10'000 Menschen aus sieben Ländern sagten 32 Prozent, sie würden einer Marke weniger vertrauen, wenn deren Inhalte mit KI entstanden sind. Nur 15 Prozent würden ihr mehr vertrauen (Meltwater). Eine Studie der Universität Zürich zeigte schon 2024, dass Schlagzeilen mit dem Hinweis «KI-generiert» als weniger glaubwürdig gelten, auch wenn sie korrekt sind (Südostschweiz/sda).

Und die Suchmaschinen ziehen nach. Nach dem Google-Core-Update vom März 2026 berichteten viele SEO-Analysen, dass Seiten mit eigener Erfahrung, Originaldaten und erkennbaren Autoren gewannen, während Massen-Content verlor. Google selbst bestraft KI nicht pauschal. Es bestraft Inhalte, die nichts hinzufügen, und das sind KI-Texte ohne menschliche Arbeit fast immer.

Was ist noch etwas wert?

Alles, was eine KI nicht aus dem bestehenden Internet zusammensetzen kann.

Was zähltWarum KI das nicht liefertBeispiel
Eigene ErfahrungSie war nicht dabei«Ich habe 3 KI-Agenten an einem echten Projekt getestet, das ist passiert»
Eigene DatenSie hat keinen ZugriffAnonymisierte Zahlen aus Kundenprojekten, eigene Umfragen
Klare HaltungSie ist auf Ausgleich trainiertEine These, die man auch falsch finden kann
Fehler und LernkurvenSie erzählt Erfolgsgeschichten«Was bei unserem Relaunch schiefging»
Echte Fotos und PersonenSie erzeugt Stockbild-ÄsthetikTeam, Ort und Arbeitssituationen statt generierter Bilder
Ein Name, der haftetSie trägt keine VerantwortungAutor mit Profil, Kontakt und nachprüfbarem Werdegang

Der Rest ist Commodity. Eine Erklärung, was SEO ist, schreibt die KI besser und schneller als ich. Dafür braucht niemand meinen Blog.

Wie setze ich KI ein, ohne wertlosen Content zu produzieren?

Nicht als Autor, sondern als Werkzeug. Für diesen Beitrag bedeutete das konkret:

  1. Die These kommt von mir. Die KI hat sie nicht vorgeschlagen, sie hat sie ausformuliert.
  2. Die KI recherchiert, ich prüfe. Jede Zahl in diesem Text hat eine verlinkte Quelle. Behauptungen ohne Beleg fliegen raus, auch wenn sie gut klingen.
  3. Die KI liefert den Entwurf, ich die Haltung. Was zu glatt, zu ausgewogen oder zu werblich klingt, wird umgeschrieben.
  4. Was nur ich weiss, kommt von mir. Beispiele aus Projekten, eigene Fehler, eigene Zahlen. Wo ich nichts Eigenes beizutragen habe, lasse ich das Thema bleiben.
  5. Ich sage, dass KI beteiligt war. Nicht weil es überall Pflicht ist, sondern weil Leser es zunehmend erwarten.

Das Ergebnis ist kein reiner Menschentext. Aber es ist ein Text, für den ich mit meinem Namen geradestehe. Das ist der Unterschied, der zählt.

FAQ

Bestraft Google KI-generierte Inhalte? Nicht pauschal. Google bewertet, ob ein Inhalt hilfreich ist und etwas Eigenes beiträgt. Massenhaft generierte Texte ohne eigene Erfahrung oder Daten verlieren aber regelmässig bei Core-Updates.

Wie viel Content im Netz ist KI-generiert? Laut Graphite etwa die Hälfte der neu veröffentlichten englischen Artikel, seit Ende 2024 ungefähr stabil.

Muss ich KI-Inhalte kennzeichnen? In der EU gelten seit August 2026 Transparenzpflichten aus dem AI Act, vor allem für synthetische Bilder, Videos und Stimmen sowie für Texte zu Themen von öffentlichem Interesse ohne menschliche Prüfung. Für Unternehmen in der Schweiz mit Publikum in der EU lohnt sich eine klare eigene Regel. Das ist keine Rechtsberatung.

Vertrauen Leser KI-Inhalten? Eher weniger. In einer YouGov-Befragung für Meltwater gaben 32 Prozent an, einer Marke weniger zu vertrauen, wenn deren Inhalte mit KI entstanden sind.

Was macht einen Text heute wertvoll? Alles, was eine KI nicht aus bestehenden Quellen zusammensetzen kann: eigene Erfahrung, eigene Daten, eine klare Haltung und ein Autor, der dafür einsteht.

Quellen

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